Treffen mit dem Jagdrecurve

Die Probleme mit dem Treffen

Grundsätzlich haben wir Schützen (egal ob Bogen- oder Kugelschützen) viele Faktoren zu berücksichtigen um zu treffen. Ein wesentlicher ist der Pfeilflug: Erstens ist die Fluglinie keine Gerade und zweitens ist die Flugstrecke endlich. Anders gesagt, der Pfeil beschreibt im Flug einen Bogen und fällt irgendwann zu Boden (verflixte Gravitationskraft).

Alleine diese Tatsache erschwert uns das Treffen immens. Für jede unterschiedliche Entfernung muss unser Bogenarm zum Ziel anders angewinkelt sein.

Dieses Problem umgehen Visierschützen ganz einfach durch die unterschiedlichen Visiereinstellungen, die sie sorgsam auf dem Trainingsplatz ermitteln. Doch diese Möglichkeit haben und wollen wir traditionelle Bogenschützen nicht.

Einen Streckenbereich im Pfeilflug gibt es, in dem unser Pfeil relativ gerade fliegt. In diesem Bereich muss kaum korrigiert werden. Diese Teilstrecke ist umso länger, je höher die Wurfkraft unseres Bogens ist (Abbildung oben, Vergleich rote und grüne Linie).

Logische Folgerung: Schießt nur mit starken Bögen.

Ganz klares Nein!

Meiner Meinung nach ist die Wurfkraft so hoch wie möglich zu wählen, aber nur so hoch, dass wir deutlich unterhalb unserer physischen Belastungsgrenzen bleiben, damit wir auch zum Ende eines langen Schießtages nach vielen abgeschossenen Pfeilen noch sauber im Auszug stehen können und damit wir unserer Muskulatur, den Bändern und Sehnen nicht schaden (sich selbst bitte sehr genau beobachten).

Zielen und teffen

Eine Möglichkeit das Ziel zu treffen ist, wir tun es den Systemschützen gleich und zielen.

Wir visieren das Ziel über die Pfeilspitze an, lösen und treffen.

Das wäre schön, doch die Sache hat einen entscheidenden Haken: das klappt nur bei einer bestimmten Entfernung, nämlich nur bei unserer ganz persönlichen Bogen- oder Zielmitte.

Das ist die Entfernung, bei der sich unsere „Visierlinie“ und die Flugkurve des Pfeils kreuzen (Abbildung unten). Ist das Ziel näher schießen wir zu hoch, ist es weiter entfernt, dann zu tief.

Als erstes ermitteln wir unsere Bogen- oder Zielmitte. Dazu stellen wir uns bei etwa 25 bis 30 Meter Entfernung zum Ziel auf, visieren über die Pfeilspitze und lösen. Ist der Treffer zu tief, verringern wir die Entfernung, ist er zu hoch, vergrößern wir diese. Das machen wir so lange, bis der Pfeil da trifft wo wir hinzielen. Diese so ermittelte Distanz zum Ziel, die wir uns merken, ist unsere ganz persönliche Zielmitte.

Und jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.

Sorgfältig erarbeiten wir uns jetzt, wieviel wir bei den unterschiedlichsten Entfernungen „darunter“ oder „darüber“ halten müssen. Das ganze müssen wir uns natürlich aufschreiben und merken. Aber wie? Wir haben doch keine Skala wie an einem Visier!

Eines gleich vorweg: Markierungen am Bogen anbringen ist nicht. Erstens ist es unschön und verschandelt unseren wertvollen Bogen und zweitens ist es im Wettkampf unzulässig.

Eine Möglichkeit ist, die Korrektur in einer geschätzten Anzahl Pfeildurchmesser anzugeben (Abbildungen unten).

Das Folgende hört sich jetzt recht kompliziert an und ist es zu Anfang auch. Aber keine Angst, durch regelmäßige Übung entfällt mit der Zeit das lästige bewusste Korrigieren. Gefühlsmäßig halten wir dann „darunter“ oder „darüber“. Allerdings müssen wir die Entfernung zum Ziel richtig schätzen können.

Das Ziel steht in einer Entfernung, die unserer ganz persönlichen Zielmitte entspricht.

 

Es sind keine Korrekturen notwendig. Der Pfeil trifft da, wo wir mit der Pfeilspitze hinzielen (wenn wir keinen Fehler im Auszug, Ankern und Lösen machen und keine anderen Faktoren wie z.B. Starkwind oder thermische Böen den Pfeilflug beeinflussen).

Voraussetzung ist, wir haben die Entfernung zum Ziel richtig geschätzt.

 

 

Das Ziel steht weiter entfernt als unsere persönliche Zielmitte.

 

Um einen Tiefschuss zu vermeiden, müssen wir entsprechend höher zielen. Wieviel höher hängt von der Distanz ab, die zwischen unserer Zielmitte und dem Ziel liegt.

 

Aber nur, wenn wir Entfernungen genau schätzen können, hilft uns der auf dem Bogenplatz ermittelte Korrekturfaktor!

In diesem Beispiel beträgt die Korrektur etwas mehr als drei

Pfeildurchmesser nach oben.

 

Jetzt kann wieder das Problem auftreten, dass wir uns selbst das Ziel verdecken.

Das Ziel steht näher als unsere persönliche Zielmitte.

 

Um einen Hochschuss zu vermeiden, müssen wir entsprechend tiefer zielen. Wieviel tiefer hängt von der Distanz ab, die zwischen unserer Zielmitte und dem Ziel liegt.

 

Auch hier gilt, nur wenn wir Entfernungen genau schätzen können, hilft uns der auf dem Bogenplatz ermittelte Korrekturfaktor!

In diesem Beispiel beträgt die Korrektur vier Pfeildurchmesser nach unten.

Mit dieser Technik des Zielens erreichen wir recht bald ganz brauchbare Ergebnisse mit dem traditionellen Bogen. Aber einmal ganz ehrlich, wollen wir das als intuitives Schießen bezeichnen? Das gefühlsmäßige höher oder tiefer „Halten“  kann schon intuitiv genannt werden, aber der Rest?

Geschätzt sind das ....

Entfernungen schätzen ist schwierig, aber auch hier hilft viel Üben. Technische Hilfsmittel wie z.B. ein Entfernungsmesser sind erstens im Wettkampf nicht erlaubt und zweitens passen sie nicht zu uns Traditionellen.

Trotzdem gibt es Hilfen um eine Entfernung brauchbar einzuschätzen.

Die Breite eines Objekte und/oder dessen Höhe, im Koordinatensystem als x-Achse und y-Achse bezeichnet, lassen sich noch recht gut schätzen, ebenso eine horizontale Strecke, vor allem wenn sich innerhalb der Strecke bestimmte Peilpunkte befinden, deren Breite oder Abstand zueinander uns bekannt ist. Sehr schwierig ist eine Distanz, die z-Achse, um die es bei uns geht zu schätzen. Insbesondere wenn sich in dieser Strecke eine Wasserfläche befindet oder die Geländestruktur uns täuscht.

 

 

Eine ganz brauchbare Methode um Entfernungen zu schätzen ist das Peilen über den Daumen.

 

Wir strecken einen Arm mit erhobenem Daumen ganz aus. Das rechte Auge halten wir geschlossen, mit dem Linken (oder anders herum) peilen wir über den Daumen das Ziel an. Ohne den Arm zu bewegen, schließen wir nun das peilende linke Auge und öffnen das Rechte.

Durch den anderen Blickwinkel scheint unser Daumen einen Sprung nach links gemacht zu haben. Über den Daumen peilen wir einen neuen Punkt auf Höhe des Ziels an.

Zwischen den beiden Peilpunkten liegt eine horizontale Strecke, deren Länge wir in Metern schätzen müssen.  

Das geht recht gut. In meinem Beispiel beträgt die Strecke etwa das Doppelte wie die Rumpflänge des Bocks, die ich mit einem Meter annehme. Also zwei Meter. Die so ermittelte Zahl multiplizieren wir mit dem Faktor 10.

Das Ergebnis ist die Entfernung zum Ziel in Metern.

Probiert es aus, ihr werdet überrascht sein wie gut das funktioniert.

Fühlen und Treffen

Bald geht´s weiter

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